VR-Unterlagen schreiben, die der Verwaltungsrat liest
—10 Min. Lesezeit

Ein Dokument, das der Verwaltungsrat liest, sagt auf der ersten Seite, wozu es dient, was die Geschäftsleitung empfiehlt und worüber der VR genau entscheiden soll. Danach folgen die geprüften Optionen, die wichtigsten Risiken und die Fakten, in dieser Reihenfolge. Halten Sie es bei etwa fünf Seiten plus Anhängen und schreiben Sie die erste Seite so, dass ein Mitglied auch ohne den Rest entscheiden kann.
Wozu dient ein Dokument für den Verwaltungsrat?
Es ermöglicht dem Verwaltungsrat, eine Aufgabe wahrzunehmen: entscheiden, Richtung geben oder beaufsichtigen. Die unübertragbaren und unentziehbaren Aufgaben stehen in Art. 716a Abs. 1 OR, von der Oberleitung und der Festlegung der Organisation bis zur Oberaufsicht über die mit der Geschäftsführung betrauten Personen. Abs. 2 verlangt zudem, dass der VR für eine angemessene Berichterstattung an seine Mitglieder sorgt, wenn er Vorbereitung oder Überwachung an Ausschüsse oder einzelne Mitglieder zuweist. Die meisten Vorlagen dienen einer dieser Aufgaben, und die Verfasserin oder der Verfasser soll sie dem VR leicht machen.
Vorlagen scheitern, wenn sie berichten, was die Geschäftsleitung getan hat, statt dem VR zu helfen, was er tun muss. Ein Projektbericht von 30 Seiten mit dem Antrag auf Seite 27 ist der klassische Fall.
Welche drei Arten von Vorlagen gibt es?
Legen Sie die Art zuerst fest, denn sie bestimmt den Aufbau. Traktandum und Vorlage tragen dieselbe Art; in Konsaro wird ein Traktandum als Beschluss, Information oder Diskussion geführt, und dieselben Bezeichnungen funktionieren auch auf Papier.
| Art | Was der VR tut | Was auf Seite eins stehen muss | Übliche Länge |
|---|---|---|---|
| Beschluss | Fasst einen Beschluss | Genauer Beschlusstext, Betrag, Frist, Empfehlung | Etwa fünf Seiten plus Anhänge |
| Diskussion | Gibt Richtung, ohne schon abzustimmen | Die Frage, die der VR beantworten soll, zwei bis drei Optionen, was die Geschäftsleitung mit der Antwort tut | Zwei bis vier Seiten |
| Information | Nimmt zur Kenntnis | Was sich geändert hat, ob der VR reagieren muss, wo das Detail steht | Eine bis zwei Seiten |
Eine Vorlage, die alle drei sein will, verwirrt den VR. Enthält ein Projektbericht einen einzigen Entscheid, teilen Sie auf: Der Stand kommt als Information, der Entscheid erhält eine eigene Vorlage und ein eigenes Traktandum.
Welcher Aufbau funktioniert bei einer Beschlussvorlage?
Fünf Teile, immer in derselben Reihenfolge, damit die Mitglieder wissen, wo sie suchen müssen. Ein Dokument nach bekanntem Muster liest sich schneller als ein brillantes mit neuem Aufbau.
| Teil | Welche Frage er beantwortet | Ziellänge |
|---|---|---|
| 1. Zweck und Antrag | Warum ist das traktandiert? Beschluss, Diskussion oder Information? Der genaue Beschlusstext, falls ein Entscheid nötig ist. | Halbe Seite |
| 2. Empfehlung und Zusammenfassung | Was empfiehlt die Geschäftsleitung und warum, in fünf bis acht Sätzen? | Halbe Seite |
| 3. Geprüfte Optionen | Welche Alternativen wurden geprüft, einschliesslich Nichtstun, und warum verworfen? | Eine Seite |
| 4. Risiken und Auswirkungen | Was kann schiefgehen, was kostet es, wer ist betroffen, welche rechtlichen Punkte gelten? | Eine Seite |
| 5. Hintergrund und Fakten | Die Zahlen und Fakten, mit denen ein Mitglied die Empfehlung prüfen kann. | Zwei Seiten |
| Anhänge | Detailanalysen, Verträge, vollständige Modelle. Nur bei Bedarf gelesen. | Nach Bedarf |
Wie schreiben Sie die erste Seite?
Zuletzt, und testen Sie sie allein. Geben Sie die erste Seite jemandem, der den Rest nicht kennt, und fragen Sie, worüber der VR entscheiden soll. Kommt keine Antwort in einem Satz, schreiben Sie neu.
| Schwach | Stark |
|---|---|
| «Dieses Dokument informiert über den Stand des Projekts Logistikzentrum und die Gespräche mit möglichen Partnern im letzten Quartal.» | «Der Verwaltungsrat wird ersucht, eine Investition von CHF 4,2 Mio. in ein neues Logistikzentrum in Muster-Dorf mit Baubeginn im März zu genehmigen. Die Geschäftsleitung empfiehlt Option B (Miete und Ausbau) statt Eigenbau oder Auslagerung, weil sie die Kapitalbindung am tiefsten hält und den Kapazitätsbedarf bis 2030 deckt.» |
Die starke Fassung nennt Entscheid, Betrag, Empfehlung und Grund. Das Mitglied liest den Rest nun mit einer Frage im Kopf. Ort, Gesellschaft und Zahlen sind für das Beispiel erfunden.
Wie sieht eine vollständige Beschlussvorlage aus? Ein Beispiel
Die Muster AG ist ein erfundenes Unternehmen; alle Namen, Beträge und Daten sind frei erfunden. Die Vorlage bittet den VR, das veraltete Lagerverwaltungssystem zu ersetzen. Die Gliederung zeigt, was jeder Teil enthält; eine echte Vorlage trägt das Detail.
| Teil | Inhalt im Beispiel |
|---|---|
| 1. Zweck und Antrag | Zum Beschluss. Der VR wird ersucht zu beschliessen: «Der Verwaltungsrat genehmigt den Ersatz des Lagerverwaltungssystems durch Anbieter B zu Gesamtkosten von bis zu CHF 640 000 über drei Jahre mit Inbetriebnahme am 1. September und ermächtigt den CFO zur Unterzeichnung des Vertrags.» |
| 2. Empfehlung und Zusammenfassung | Die Geschäftsleitung empfiehlt Anbieter B. Das heutige System verliert im August den Support. Anbieter B ist im ersten Jahr teurer, über drei Jahre aber günstiger als Anbieter A und die einzige Lösung, die sich ohne Eigenentwicklung ans bestehende ERP anbinden lässt. Hauptrisiko: die Umstellung in der Herbstspitze. |
| 3. Geprüfte Optionen | A: heutiges System behalten, mit kostenpflichtigem Zusatzsupport. B: Anbieter B. C: Anbieter A. D: Eigenentwicklung. Jede Option mit Kosten über drei Jahre, Umsetzungsrisiko und Grund für Wahl oder Verwerfung, in einer Tabelle. |
| 4. Risiken und Auswirkungen | Zeitpunkt der Umstellung (drei Monate Verzug erfordern Zusatzsupport von CHF 90 000), Datenqualität, Abhängigkeit von einem Lieferanten. Internes Kontrollsystem: Die Finanzabteilung prüft die Schnittstelle zur Buchhaltung. Rechtlich nichts ausser der Vertragsprüfung durch externe Anwälte. |
| 5. Hintergrund und Fakten | Kostentabelle je Option, Annahmen (Mengen, Personalbestand, Wechselkurs) und was sich ändert, wenn die Mengen 20 Prozent tiefer liegen. Wer konsultiert wurde: Betrieb, Finanzen, IT, externe Berater. |
| Anhänge | A. Bewertungsmatrix. B. Zusammenfassung des Vertragsentwurfs. C. Umstellungsplan. Jeder Anhang trägt die Angabe, was er enthält und wer ihn lesen sollte. |
Drei Gewohnheiten fallen auf. Der Beschlusstext nennt Anbieter, Obergrenze, Datum und die unterzeichnende Person. Die Optionentabelle enthält das Nichtstun. Und der Risikoteil nennt für das Hauptrisiko eine Zahl statt des Worts «Terminrisiken».
Wie lang sollte das Dokument sein?
So kurz, wie der Entscheid es zulässt. Fünf Seiten plus Anhänge sind für die meisten Entscheide eine gute Obergrenze; Informationstraktanden brauchen oft eine oder zwei. Viele Gremien legen eine Seitenzahl in der Vorlage fest und lassen den Präsidenten zu lange Dokumente zurückweisen.
- Tabellen für Zahlen, Vergleiche und Zeitpläne. Tabellen lesen sich schneller als Absätze voller Zahlen.
- Eine Grafik pro Aussage, mit einem Titel, der die Aussage nennt («Marge sank im Q3 wegen Frachtkosten», nicht «Margenentwicklung»).
- Methodik, Detailrechnungen und Belege in Anhänge verschieben und sagen, was jeder Anhang enthält.
- Geschichte streichen. Der VR braucht den aktuellen Stand und was sich seit dem letzten Mal geändert hat.
- Jede Abkürzung einmal erklären und für jedes Projekt in der ganzen Mappe denselben Namen verwenden.
Was macht ein Dokument glaubwürdig?
Mitglieder vertrauen Dokumenten, die ihre Grundlagen und Zweifel zeigen. Ein Dokument, das Unsicherheit zugibt, ist glaubwürdiger als eines, das alles sicher weiss.
- Die Annahmen hinter den Zahlen nennen und sagen, welche am meisten zählen.
- Autorin und verantwortliches GL-Mitglied nennen und sagen, wer konsultiert wurde.
- Zeigen, was sich seit dem letzten Dokument zum selben Thema geändert hat.
- Sagen, was die Geschäftsleitung noch nicht weiss und wann sie es wissen wird.
- Den Risikoteil konkret machen: «eine Verzögerung von drei Monaten kostet rund CHF 300 000», nicht «es bestehen Terminrisiken».
Wie stellen Sie Zahlen dar?
Geben Sie jeder Zahl Einheit, Periode und Vergleich. «Umsatz CHF 12,4 Mio.» sagt wenig; «Umsatz CHF 12,4 Mio. im Q3, CHF 0,9 Mio. unter Budget und CHF 0,3 Mio. über dem Q3 des Vorjahres» zeigt, wo man hinschauen muss. Setzen Sie den Vergleich in eine Tabelle, runden Sie einheitlich und sagen Sie, wenn eine Zahl eine Schätzung ist. Jede Zahl der Zusammenfassung muss im Haupttext mit demselben Wert stehen. Wer für dieselbe Zahl zwei Werte findet, traut auch den anderen nicht mehr.
Wer macht was bis wann? Ein Ablauf für Autoren
Ein gutes Dokument entsteht nicht am Abend davor. Die Tabelle zeigt einen Ablauf, der für die meisten Gremien funktioniert; passen Sie die Tage an Ihre Frist für die Mappe an.
| Schritt | Zuständig | Was geschieht |
|---|---|---|
| Auftrag | VR-Sekretariat mit dem Präsidenten | Art, Frage und Frist klären; Vorlage senden |
| Entwurf | Verantwortliches GL-Mitglied und Team | Die fünf Teile schreiben; erste Seite zuletzt |
| Faktencheck | CFO oder Finanzen | Zahlen mit Abschluss und früheren Vorlagen abgleichen |
| Rechtsprüfung | Recht oder externe Anwälte | Beschlusstext und rechtliche Punkte prüfen |
| Formcheck | VR-Sekretariat | Art, Aufbau, Länge, Beschriftung und Anhänge prüfen; zurückgeben, nicht umschreiben |
| Sicht des Präsidenten | Präsident | Bestätigen, dass das Traktandum reif ist, oder Änderungen verlangen |
| Endfassung | Verantwortliches GL-Mitglied | Definitives PDF fristgerecht ans VR-Sekretariat senden |
Das VR-Sekretariat prüft Aufbau und Vollständigkeit, schreibt den Inhalt aber nicht um; der Inhalt gehört dem GL-Mitglied, das die Vorlage zeichnet.
Welche Fehler machen Autoren am häufigsten?
- Zuerst die Geschichte schreiben und den Antrag zuletzt.
- Eine Option anbieten und sie Empfehlung nennen.
- Risiken in den Anhang verschieben, wo sie niemand liest.
- Zahlen nach dem Versand ändern, ohne es zu sagen.
- Das Dokument in Teilen senden: heute die Zusammenfassung, morgen die Zahlen.
- Für jede Vorlage einen anderen Aufbau wählen, sodass die Leser jedes Mal suchen müssen.
- Einen Entscheid verlangen, den der VR mangels Information gar nicht fällen kann.
Was ändert sich bei anderen Gremien und mit dem eigenen Reglement?
Der Aufbau funktioniert für jedes beschlussfassende Gremium, ob Verwaltungsrat einer AG, Geschäftsführung einer GmbH, Vorstand eines Vereins oder Stiftungsrat. Rechtsgrundlage und Wortwahl unterscheiden sich, die Logik der Vorlage nicht. Ist Ihr Gremium kein Verwaltungsrat, prüfen Sie Statuten und anwendbares Recht gesondert; dieser Beitrag behandelt nur die oben genannten Bestimmungen des Obligationenrechts.
Viele Gremien legen die Regeln für Vorlagen im Organisationsreglement fest: Vorlage, Seitenlimit, Frist und wer ein Traktandum anmelden darf. Eine Regel, wonach ein Dokument ohne erste Seite mit Antrag an die Verfasser zurückgeht, nützt der Lesbarkeit mehr als jeder Ratschlag. Schweigt Ihr Reglement dazu, schlagen Sie dem Präsidenten einen kurzen Standard vor.
Wie gelangt das Dokument zum Verwaltungsrat?
Über das VR-Sekretariat, fristgerecht, in der definitiven Fassung. Dokumente, die in Teilen eintreffen oder sich nach dem Versand ändern, machen die Arbeit am Aufbau zunichte.
In Konsaro hat jedes Traktandum eine Art (Beschluss, Information oder Diskussion) und eine Dauer, die Dokumente hängen als PDF am Traktandum, und ein Dokument lässt sich nach der Veröffentlichung durch eine neue Version ersetzen, sodass alle die aktuelle Fassung sehen. Mehr unter Sitzungsunterlagen und, für Autoren in der Geschäftsleitung, für CEO, CFO und Geschäftsleitung. Warum Versionsdisziplin auch für Autoren zählt, zeigt unser Beitrag über das falsche PDF im Sitzungszimmer; wie eine aktuelle Fassung dem ganzen Gremium hilft, eine aktuelle Fassung der Unterlagen.
Häufige Fragen
Wie lang sollte ein Dokument für den Verwaltungsrat sein?
Etwa fünf Seiten plus Anhänge für einen Entscheid, eine bis zwei Seiten für ein Informationstraktandum. Die erste Seite sollte genügen, um den Antrag zu verstehen.
Gehört die Empfehlung an den Anfang?
Ja. Wer weiss, was die Geschäftsleitung empfiehlt und warum, liest gezielter. Optionen und Risiken prüfen dann die Empfehlung.
Was gehört in einen Anhang?
Detailanalysen, vollständige Finanzmodelle, Verträge und Methodik. Was zum Entscheiden nötig ist, gehört in den Haupttext; der Anhang dient der Prüfung.
Wer schreibt das Dokument?
Das verantwortliche GL-Mitglied mit seinem Team. Das VR-Sekretariat prüft Aufbau und Vollständigkeit, schreibt den Inhalt aber nicht um.
Was ist der Unterschied zum Deckblatt?
Ein Deckblatt ist eine einseitige Zusammenfassung, die jedem Dokument beiliegt. Der Aufbau oben prägt das ganze Dokument; seine erste Seite kann als Deckblatt dienen.
Gehört ein Beschlussentwurf in die Vorlage?
Bei einer Beschlussvorlage ja. Der genaue Beschlusstext auf der ersten Seite lässt die Mitglieder beurteilen, was sie genehmigen würden, und das Protokoll kann ihn wörtlich übernehmen.
Wie viele Optionen soll eine Vorlage zeigen?
So viele, wie ernsthaft geprüft wurden, meist zwei bis vier, immer einschliesslich Nichtstun. Mit nur einer Option hat der VR nichts zu entscheiden.
Was, wenn die Fakten bis zur Frist nicht vollständig sind?
Sagen Sie, was fehlt und wann es kommt, oder verschieben Sie das Traktandum auf die nächste Sitzung. Eine vollständige, aber späte Vorlage ist für den VR einfacher als eine rechtzeitige, die sich nach dem Versand ändert.
Quellen
- Obligationenrecht (SR 220), Art. 716a (fedlex.admin.ch) (geprüft am 29. Oktober 2026)



